Telefonleitung für Digital-Audio vom PC zur Anlage

For English speaking visitors
   
Different ways to transport SPDIF Audio signals  (posting at www.diyaudio.com)


Der PC in meinem Arbeitszimmer ist mit einer Audiophile 2496 ausgerüstet und soll als Abspielgerät für digitales Audio (24/96) genutzt werden. Diese Soundkarte bietet übrigens die Möglichkeit, zeitgleich unterschiedliche Signale über analog und SPDIF auszugeben!! So bleibt die normale PC-Audio Wiedergabe erhalten, selbst wenn über SPDIF digital Audio mit einem extra Player (ich nutze Foobar2000) abgespielt wird.

Zum Transportieren von digitalem Audio wird bei semiprofessionellen Installationen in der Regel 75Ohm Coax-Kabel verwendet. Wer sein Haus nicht so vorausschauend geplant hat, dass alle Zimmer mit Leerrohren verbunden sind, steht beim Transport von digitalen Audiosignalen zwischen den Zimmern vor einem Problem. Entweder man benutzt möglicherweise vorhandene Antennenleitungen (auch 75 Ohm) oder es bleibt nur ein drahtloser Netzwerk-Client bei denen viele kein 24/96 übertragen können.

Ich wollte verdrillte Telefonleitungen verwenden, die ungenutzt in der Wand lagen (ca. 15m Länge). Hintergrund meiner Überlegung war es, dass beim professionelle Audiostandard (AES) verdrillte 110Ohm Leitungen zum Einsatz kommen. Sie haben den Vorteil der Potenzialtrennung und eine hohe Gleichtaktunterdrückung. Deswegen sind sie sehr unempfindlich gegen äußere Störungen. Die spannende Frage war, kann man statt 110Ohm-Leitungen auch verdrillte Telefonleitungen benutzen?

In der Wand wurden XLR-Stecker - in leider nicht ganz passende Blenden von Busch-Jäger - eingebaut und mit der Telefonleitung verbunden. Das verdrillte Adernpaar wurde an Pin 2 und 3 der XLR-Stecker- und Buchse angeschlossen. Pin 1 und die Gehäuse der Stecker wurden NICHT miteinander verbunden um die Potenzialtrennung sicherzustellen.

In die installierten XLRs kam jeweils einen Digital-Übertrager der Fa. Neutrik ( NADITBNC-FX und and  -MX). Beide Übertrager haben neben dem XLR-Anschluss eine 75 Ohm BNC-Buchse. Dort kann ein Kabel mit BNC auf der einen und Cinch auf der anderen Seite angeschlossen werden. 

Die Messung des Eye-Diagrams mit dem Oszilloskop zeigt selbst bei 96kHz Audio durchaus noch passable Signale (Pegel stimmt), die jedoch mit einem sichtbaren Jitter behaftet waren. Die AES erlaubt maximal 10% Jitter, die bei weitem nicht erreicht werden. 

Nun liegt es entscheidend an der angeschlossenen Hardware die das SPDIF Signal weiterverarbeitet, ob der Jitter stört oder nicht! Wird Hardware verwendet, die direkt mit dem restaurierten Takt die D/A-Wandler ansteuert, dann ist die vorgestellte Übertragungsmethode vollkommen mangelhaft, da damit der Jitter hörbar wird. Verwendet man hingegen Hardware, die mittels FIFO den Jitter eliminiert, wie z.B. meine verbesserte digitale Eingangsstufe für den DCX2496  (Jitter max. 5ps!) so stellt der durch das Telefonkabel induzierte Jitter kein Problem dar.

Natürlich wurde dieses Statement an Hand von ausgiebigen A/B-Tests verifiziert. Dazu wurden mehrere SACDs über den  Digitalausgang des Pioneer 575A in 24/88.2-Qualität auf den PC überspielt. Anschließend wurde die Ausgabe der Audiophile 2496 über die Telefonleitung mit der direkten digitalen Ausgabe des Pioneer 575A verglichen. Als Digitalkabel beim Pioneer kam das Straight Wire Silverlink II zum Einsatz.

Bei allen untersuchten SACD-Titeln war kein Unterschied zwischen der Übertragung vom PC über Telefonkabel und der direkten Zuspielung vom Pioneer 575A mittels Straight Wire Silverlink II feststellbar. Für mich ist daher die Übertragung von digitalem Audio über verdrillte Telefonleitung eine echte Alternative.

Links
   
Fotos Zusatzinfos Hersteller / Vertrieb ca. Preise
Bilder der Telefonkabel-Installation   Hersteller: Neutrik
Vertrieb: Thomann
ca. 50 Euro 
pro Übertrager

Alle genannten Preise sind ca. Preise und beziehen sich auf Stand April 2005